Das Wichtigste in Kürze
- Was Bernstein ist rund 40 bis 50 Millionen Jahre altes, versteinertes Baumharz, das die Ostsee bei Sturm an die Küste spült
- Wann Die Saison läuft von Oktober bis März, am besten sucht ihr früh morgens ein bis zwei Tage nach einem Sturm mit Ostwind
- Wo Direkt am Strand von Damp und an vier weiteren Stellen auf Schwansen, immer im Spülsaum zwischen Tang und Treibholz
- Wie Mit Gummistiefeln, einer UV-Taschenlampe für die Dämmerung und einer Blechdose, in der jeder Fund landet
Inhaltsverzeichnis
- Bernstein das Gold der Meere – woher das Harz kommt
- Warum ihr nach dem Sturm die besten Chancen habt
- Welcher Wind Bernstein an den Strand von Damp bringt
- Der richtige Moment – zwölf bis 48 Stunden nach dem Höhepunkt
- Wo ihr rund um Damp Bernstein findet
- Wie Bernstein am Strand aussieht
- Woran ihr echten Bernstein erkennt
- Vorsicht Verwechslungsgefahr – warum jeder Fund in dieBlechdose gehört
- Eure Checkliste zum Abhaken
- Das lohnt sich – und das nicht
- Häufige Fragen
Bernstein das Gold der Meere – woher das Harz kommt
Wer am Strand ein Stück Bernstein aufhebt, hält etwas in der Hand, das älter ist als jede Kiefer
und jede Möwe an dieser Küste. Baltischer Bernstein entstand vor rund 40 bis 50 Millionen
Jahren aus dem Harz ausgedehnter Wälder, die damals im Gebiet der heutigen Ostsee
wuchsen. Über die Jahrmillionen härtete das Harz aus, und die Gletscher der Eiszeit schoben
es später bis nach Norddeutschland. Seitdem liegt ein Teil davon am Grund der Ostsee und
wartet darauf, dass ein Sturm ihn nach oben holt.
Warum ihr nach dem Sturm die besten Chancen habt
Bernstein ist ein Leichtgewicht, und genau das macht den Sturm zu eurem Verbündeten. Mit
1,05 bis 1,10 Gramm pro Kubikzentimeter ist er kaum schwerer als Meerwasser, weshalb er bei
ruhiger See am Grund liegen bleibt. Erst wenn hohe Wellen die Ostsee kräftig durchrühren,
heben sie ihn an und tragen ihn gemeinsam mit Seegras, Tang und Treibholz an den Strand.
Dort sammelt sich alles im Spülsaum, also in der dunklen Linie aus Strandgut, die das Wasser
beim Zurückweichen hinterlässt. Weil kaltes Salzwasser den Bernstein besser trägt als warmes,
verspricht ein Strandspaziergang im November übrigens mehr als einer im Juli.
Welcher Wind Bernstein an den Strand von Damp bringt
Der Strand von Damp blickt nach Osten auf die Kieler Bucht. Auflandig weht der Wind hier also
aus Nordost, Ost oder Südost, und nur dieser Wind schiebt das Wasser samt Strandgut direkt
gegen die Küste von Schwansen. Meldet eure Wetter-App ein paar Tage mit kräftigem Ostwind,
merkt ihr euch deshalb die Morgen danach vor. Dreht der Wind dagegen auf West, gehört der
Tag lieber dem Schwitzhüttendorf Värmland.
Der richtige Moment – zwölf bis 48 Stunden nach dem Höhepunkt
Solange der Sturm tobt, sortiert die Brandung den Strand ständig neu, und ihr seid vor allem
damit beschäftigt, die Kapuze festzuhalten. Spannend wird es, sobald der Wind nachlässt.
Erfahrene Sammlerinnen und Sammler rechnen mit einem Fenster von etwa zwölf bis 48
Stunden nach dem Höhepunkt, in dem der Spülsaum frisch und das Wasser schon wieder
ruhiger ist. Wer um acht Uhr morgens mit der Thermoskanne am Wasser steht, sieht dann jede
Spur, die das Meer über Nacht gelegt hat, und die tief stehende Morgensonne lässt ein Stück
Bernstein honiggelb aus dem dunklen Tang leuchten.
Wo ihr rund um Damp Bernstein findet
Rund um Damp habt ihr die Wahl zwischen breitem Sandstrand und wilder Steilküste. Zwei der
Fundorte erreicht ihr vom Resort aus zu Fuß. Überall gilt dabei dasselbe Prinzip. Ihr sucht dort,
wo Tang und Treibholz liegen, denn Holz und Bernstein haben eine ähnliche Dichte und landen
deshalb an denselben Stellen, während ihr zwischen Kieseln und Muscheln selten fündig
werdet.
Der Strand von Damp – Fundort ab der Resorttür
Vier Kilometer Sand liegen vor dem Resort, und nach einer Sturmnacht zieht sich der Spülsaum
oft über die ganze Länge. Ihr startet also ohne Anfahrt und notfalls mit dem Kaffee in der Hand,
was eure Schatzsuche ideal für Familien mit kleinen Kindern macht. Schaut euch vor allem die
Ecken rund um die Molen am Hafen an, weil sich dort die Wellen kreuzen und mehr Strandgut
liegen bleibt.
Fischleger Strand – ruhig und gleich nebenan
Südlich vom Damper Hafen führt der Ostseeküstenweg rund zwei Kilometer am Wasser entlang
zum Fischleger Strand, an dem die Bookenau in die Ostsee mündet. Im Winter habt ihr diesen
Abschnitt oft für euch allein, sodass noch niemand den Spülsaum vor euch durchgekämmt hat.
Steilküste bei Waabs – Bernstein und Fossilien
Zwischen Fischleger und Kleinwaabs steigt das Ufer an, und jeder Sturm bricht hier Material
aus der Kante. Was die Wand freigibt, sortiert das Meer an ihrem Fuß neu, weshalb ihr
unterhalb des Hochufers mit etwas Glück neben Bernstein auch Fossilien findet. Haltet dabei
ruhig Abstand zur Abbruchkante und achtet auf Hinweisschilder, da nach Stürmen Erde
nachrutschen kann.
Boknis Eck – wo die Eckernförder Bucht beginnt
Bei Boknis Eck öffnet sich die Eckernförder Bucht zur offenen Ostsee. Rund zwei Kilometer vor
dem Ufer zeichnet das Kieler GEOMAR seit 1957 an einer der ältesten noch aktiven
Meeresmessstationen der Welt Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoff auf, und aus dem
Suchspaziergang wird für Kinder so schnell eine Forschungsexpedition. Weil der Strand
steiniger ist als in Damp, sucht ihr hier besser umso gezielter im Tang.
Schönhagen – Donnerkeile am Schwansener See
Nördlich von Damp liegt Schönhagen mit breitem Naturstrand und einer Steilküste, die sich
nach Süden anschließt. An ihrem Fuß tauchen nach stürmischen Tagen neben Bernstein auch
Donnerkeile auf, also die versteinerten Überreste urzeitlicher Tintenfischverwandter. Gleich
südlich beginnt das Naturschutzgebiet Schwansener See, das ihr vom NABU-Aussichtspunkt
aus zusammen mit der Ostsee überblickt.

Wie Bernstein am Strand aussieht
Wer zum ersten Mal sucht, erwartet oft glänzende Perlen wie im Schmuckladen. Roher
Bernstein trägt am Strand allerdings eine matte, leicht raue Verwitterungskruste, ist meist nur so
groß wie ein Kiesel oder eine Mandel und schimmert erst, wenn er nass ist oder Licht durch ihn
fällt. Die Farben reichen von Hellgelb über Honig und Cognac bis Rotbraun, und manche
Stücke wirken grünlich oder fast schwarz. Gerade die dunklen Exemplare bleiben oft liegen,
weil sie im Tang aussehen wie ein Stück Kohle. Hebt deshalb ruhig alles auf, was verdächtig
leicht wirkt, und haltet es gegen den Himmel.
Woran ihr echten Bernstein erkennt
Mit ein paar einfachen Tests sortiert ihr eure Funde schon am Strand oder spätestens abends in
der Ferienwohnung. Da auch junges Harz und manche Kunststoffe einzelne Tests bestehen,
verlasst ihr euch am besten auf die Kombination.
Der Handtest – leicht und warm
Bernstein fühlt sich warm an und wiegt so wenig, dass ihr kurz stutzt. Ein gleich großer Kiesel
ist spürbar schwerer und kälter.
Der Salzwassertest – lasst den Bernstein schwimmen
Löst zwei bis drei gehäufte Esslöffel Salz in einem Glas Wasser. Echter Bernstein schwimmt
oben, während Stein und Glas sinken, und in normalem Leitungswasser geht auch Bernstein
unter.
Der Reibetest – mit dem Wollpulli
Reibt das Stück kräftig an einem Wollpulli oder Wolltuch. Bernstein lädt sich dabei statisch auf
und zieht kleine Papierschnipsel an.
Der UV-Test – lasst den Bernstein leuchten
Unter einer UV-Taschenlampe leuchtet Bernstein deutlich auf, während Glas und Kiesel dunkel
bleiben. Das hilft euch auch bei der Suche in der Dämmerung, und aus dem Abendspaziergang
mit den Kindern wird so eine kleine Nachtexpedition.
Vorsicht Verwechslungsgefahr – warum jeder Fund in die
Blechdose gehört
Die wichtigste Regel beim Bernsteinsuchen klingt unspektakulär. Ihr sammelt jeden Fund in
einer geschlossenen Blechdose statt in der Jacken- oder Hosentasche. Aus alter Munition des
Zweiten Weltkriegs kann nämlich weißer Phosphor an die Küste gespült werden, der Bernstein
zum Verwechseln ähnlich sieht. Sobald er trocknet und sich erwärmt, kann er sich selbst
entzünden und schwere Verbrennungen verursachen.
Nach Angaben des Landes Schleswig-Holstein betrifft das vor allem Mecklenburg-Vorpommern,
im Norden hat es einzelne Fälle gegeben. Legt deshalb etwas feuchten Sand in die Dose, dann
bleibt ein falscher Fund kühl und feucht. Raucht ein Fundstück, wird es warm oder riecht es
nach Knoblauch, legt ihr es ab, fasst es nicht weiter an und meldet es über den Notruf 110.
Mit etwas Vorsicht steht eurer Schatzsuche also nichts mehr im Wege. Also worauf wartet ihr
noch?
Eure Checkliste zum Abhaken
Das lohnt sich – und das nicht
Unbedingt machen
- Früh morgens losgehen, ein bis zwei Tage nach einem Sturm mit Ostwind
- Im Spülsaum zwischen Tang und Treibholz suchen, nicht zwischen den Kieseln
- Eure Funde abends mit Salzwasser und UV-Lampe prüfen
Lieber vermeiden
- Funde in die Jacken- oder Hosentasche stecken
- Am Fuß der Steilküste graben – nach Stürmen rutscht dort Erde nach
- Bei Westwind suchen – dann drückt der Wind das Strandgut vom Strand weg
Häufige Fragen
Kann man in Damp Bernstein finden?
Ja, denn die Küste der Halbinsel Schwansen gehört zu den bekannten Fundregionen für
Bernstein in Schleswig-Holstein. Die besten Chancen habt ihr im Herbst und Winter nach einem
Sturm mit auflandigem Ostwind, direkt am Strand vor dem Resort oder an der Steilküste
Richtung Waabs.
Lohnt sich die Bernsteinsuche auch im Sommer?
Ein Zufallsfund gelingt das ganze Jahr, planbar wird die Suche aber erst mit den Herbst- und
Winterstürmen. Im Sommer liegt die Ostsee meist ruhig, weshalb ihr warme Tage besser für die
Suche nach Hühnergöttern und Donnerkeilen nutzt.
Darf der Hund mit zur Bernsteinsuche?
Ja, am Südstrand von Damp liegt der Hundestrand, und von Anfang November bis Ende März
dürfen Hunde frei an der Küste entlang toben. Euer Vierbeiner schnüffelt also im Tang, während
ihr darin nach Bernstein sucht.
Wo findet man an der Ostsee sonst noch Bernstein?
Schleswig-Holstein suchen Sammlerinnen und Sammler unter anderem in der Hohwachter
Bucht und in der Lübecker Bucht, während euch auf Schwansen im Winter oft fast
menschenleere Strände erwarten.
